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Novara Band 4 – Gender and Power in the Pacific. Women’s Strategies in a World of Change.

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Die europäische Rezeption von Frauen aus dem Pazifik beruht zumeist auf Schilderungen männlicher Reisender der Vergangenheit und Gegenwart. Videodokumentationen, Reisefilme, Spielfilme ebenso wie die Abenteuer- und Reiseliteratur stellen Frauen aus dem Pazifik als passive Schönheiten, willenlose Gefährtinnen europäischer und/oder einheimischer Männer, bedrohte, kindliche Naive inmitten einer unberührten Natur dar. Beim Kontakt mit Frauen aus dem Pazifik, aber auch bei der Lektüre von pazifischen AutorInnen oder bei der Rezeption pazifischer Kunst ändern sich diese stereotypen Annahmen fundamental: das aktive Handeln von Frauen, ihre selbstbestimmte und gesellschaftsbestimmende Macht kommt zum Ausdruck, ihr mutiges und selbstbewusstes Auftreten in der Öffentlichkeit und in der Familie sticht ins Auge. Der vorliegende Band der Novara – Beiträge zur Pazifikforschung der Österreichisch-Südpazifischen Gesellschaft möchte einen Einblick geben in das Leben von Frauen im Pazifik und die Geschlechterverhältnisse in sich wandelnden Gesellschaften. Traditionen ebenso wie Anpassungsprozesse an sich verändernde Lebensbedingungen von Frauen und Männern in Papua-Neuguinea, Palau und Neuseeland sind faszinierende Forschungsfelder und eröffnen den Blick auf neue Lebensmodelle jenseits westlicher Geschlechterkonzepte.

 

Content/Inhalt

  1. Preface/Vorwort
  2. Berit Gustafsson „In Papua New Guinea We Never Talk About Gender.“ Traditional Male and Female Roles and Gender Relations in Modern Society
  3. Gerit Gönitzer Der Kontrast zur Diversifikation: Die androzentrischen Machtstrukturen in Papua-Neuguinea
  4. Gabriele Stuerzenhofecker Gender and Consumption in the Aluni Valley, Southern Highlands Province – Papua New Guinea
  5. Claudia Lauterbach „Bitang ma bitang.“ Geschlechterbalance und Modernisierung in Palau
  6. Christine Binder-Fritz Growing Old in Aotearoa/New Zealand: Maori Women’s Perceptions of Aging
  7. Helene Connor Land, Notions of „Home“ and Cultural Space: The Location and Articulation of Power and Gender in Maori Society
  8. Gabriele Habinger Inseln der Desillusion. Weibliche Blicke auf die Südsee
  9. Margit Wolfsberger Book Review: Körper, Religion und Macht: Sozialanthropologie der Geschlechterbeziehungen. Davis-Sulikowski, Ulrike u.a. (Hg.Innen). 2001.
  10. Katarina Ferro Book Review: Bitter Sweet. Indigenous Women in the Pacific. Jones, Alison et.al. (eds.). 2000.

Abstracts

Berit Gustafsson 
Ein oft gehörtes Argument in Studien über Geschlechterbeziehungen in Entwicklungsländern ist jenes, dass Frauen in traditionellen Gesellschaften keine Möglichkeit der Einflussnahme auf das politische und wirtschaftliche Leben besitzen, und dass erst die Modernisierung die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern ermöglicht. Solche Argumente basieren gewöhnlich auf westlichen Konzepten, wobei Macht an der Beteiligung am öffentlichen Geschehen und an der Kontrolle über die natürlichen Ressourcen gemessen wird. Wenn allerdings von einem anderen Standpunkt ausgegangen wird, die Kontrolle von ritueller Macht und die Produktion von hochbewerteten Objekten berücksichtigt wird, dann ist festzustellen, dass Frauen ebenso Macht besitzen und das politische und ökonomische Leben wesentlich mit beeinflussen.

Papua Neuguinea besitzt eine große kulturelle Vielfalt und es existiert nicht nur ein einziges Modell der Geschlechterbeziehungen. Aus dem Westen abgeleitete Modelle können diese großen Unterschiede nicht erklären, ebenso wenig wie sie die verborgene Bedeutung von Geschlechterrollen und den Status von Männern und Frauen in Papua Neuguinea umfassend darlegen können. Die Frage ist daher, ob in nichtwestlichen Kulturen Begriffe wie „Gender“, „Prestige“ und „Unterordnung“ in derselben Weise verstanden werden wie in westlichen Konzepten und welchen Unterschied diese Unterscheidungen ausmachen. Dieser Beitrag erläutert, warum diese Unterscheidungen von großer Bedeutung sind, und welche wachsenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern festzustellen sind. Des Weiteren wird darauf eingegangen, welche Unsicherheit heute oft in Papua Neuguinea unter Frauen und Männern in Bezug auf die Einschätzung der gesellschaftlichen Erwartung an ihr Geschlechterrollenverhalten in der Arbeit und in der Ehe herrscht.

Gerit Gönitzer 
Statistiken zufolge, herrscht in Papua-Neuguinea (PNG) gegenwärtig die weltweit zweithöchste Rate an familiärer Gewalt gegen Frauen, welche trotz der kulturellen Heterogenität des südpazifischen Staates räumliche und soziale Grenzen überschreitet. Direkte physische Gewalt gegen Frauen ist keine rezente Erscheinung, vielmehr führte die örtliche Law Reform Commission (LRC) bereits vor 20 Jahren umfangreiche Studien durch, die sowohl die Akzeptanz, als auch die Ursachen und Auslöser für Gewalt gegen Frauen eruieren sollten. Die Studien führten zu einer Reihe von medialen Aufklärungskampagnen und Workshops, die unter dem Slogan „Wife Beating is a Crime“ initiiert wurden, um die von Frauen erlebten Misshandlungen im familiären Raum zu einem Bestandteil des öffentlichen Dialogs zu machen.

Zu den rezenten Auseinandersetzungen mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen in der Familie“ zählt unter anderem der Ansatz von Anne Waiko, welche die aktuelle Gewaltbereitschaft als eine Folge des ökonomischen Wandels, der eine ursprünglich auf Subsistenzwirtschaft basierende und in Clanen organisierte Gesellschaft in eine kapitalwirtschaftlich orientierte transformiert, annimmt. Diese Modifikation wirkt sich unter anderem im religiösen, politischen und sozialen Bereich aus, wobei in der gegenwärtigen Gesellschaft PNGs die traditionellen Konzepte mit ihren integrativen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Funktionen nicht mehr aufrechterhalten werden können. Der Zusammenhalt der Gesellschaft gerät ins Wanken, wodurch die Transparenz der ursprünglichen Arbeitsteilung im Auflösen begriffen ist. Im urbanen Raum fungieren vermehrt Männer als Ernährer der Familien, während Frauen für die Hausarbeit zuständig sind. Durch die fehlende Entlohnung der reproduktiven Tätigkeit verliert der „weibliche Sektor“ an Wert, während der Status des „Ernährers“ sukzessive aufgewertet wird.

Die Überlappung von „Tradition“ und „Moderne“ forciert immer wieder direkte Gewalt gegen Ehefrauen. Als Beispiel kann hier der Brautpreis betrachtet werden, dessen traditionelle Funktionen – die Stärkung der familiären Bande zwischen dem Clan der Braut und dem des Bräutigams -, heute von dem Gedanken an Kapitalakkumulation verdrängt werden. Durch den kapitalistischen Denkansatz werden Frauen zu verkauf- und erwerbbaren Objekten, die den Vorstellungen ihrer Ehemänner zu entsprechen haben und bei Widerstand gegebenenfalls mit Gewalt in die ihnen zugeschriebenen Positionen verwiesen werden.

Der Kampf gegen familiäre Gewalt und die grundlegend diskriminierenden androzentrischen Strukturen haben eine starke indigene Frauenbewegung ins Leben gerufen. Auf Initiative der Parlamentsabgeordneten Carol Kidu wurde in Zusammenarbeit mit NGOs ein neues Gesetz erlassen, das nun auch die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe stellt.

Gabriele Stuerzenhofecker 
In diesem Artikel wird die geschlechtsspezifische Ausprägung des historischen Wandels bei den Duna-sprechenden Menschen im Aluni-Tal anhand eines Bestandteils der Kultur, nämlich der Hexerei, untersucht. Hexerei, hier verstanden als eine Form der zugeschriebenen, mystischen Ritualkraft, und der dazugehörige semantische Raum bestehen innerhalb eines sich wandelnden Wirtschaftsystems, das von Konsumtion und einem wachsenden lokalen Bedürfnis nach Geld und den damit zu erwerbenden Waren geprägt ist. Der Beitrag konzentriert sich vor allem auf die Art und Weise, wie geschlechtsspezifische Konsumtionspraktiken und die Einfuhr von, in einem Laden gekauften, Lebensmitteln die Mehrdeutigkeiten der Wahrnehmung erzeugen und eine problematische moralische Ökonomie des Teilens formen. Konsumtion und Hexerei bringen eine geschlechterspezifische Komponente mit sich. Privilegierte Konsumtion wird nach wie vor als Vorrecht der Männer gesehen, während die Konsumtionswünsche von Frauen die Gefahr von weiblicher Hexerei heraufbeschwören. Konsumtion zeigt Geschlechtergrenzen auf und erzeugt moralische Techniken des Teilens, die eine problematische Kollektivität für beide Geschlechter, Männer und Frauen, produzieren. Der verstärkte Zugang von Frauen zu Geld und importierten Lebensmitteln rüttelt an den Pfeilern, auf denen die geschlechtsspezifische Identität und männliche politische Ideologie begründet sind. Die Männer versuchen solche weiblichen Aktionen zu unterdrücken, indem sie die gefährlichen Folgen von Hexerei akzentuieren. Die Spannungen, die rund um Konsumtion und Hexerei bestehen, spiegeln ein Gefühl des zunehmenden Zusammenberechens von bisher für stabil angesehenen sozialen Konventionen und Normen für Männer und Frauen wider. Sie werfen aber auch eine bislang noch unklare Vision eines transformierten Sozialgefüges an die Wand.

Claudia Lauterbach 
Die Rekonstruktion der vorkolonialen Gesellschaft von Palau weist auf eine geschlechterbalancierte Gesellschaft hin, wie sie in der feministischen Anthropologie und Theorie definiert wird: Frauen und Männer waren unterschiedlich, aber gleichwertig in Entscheidungen des sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Lebens einbezogen. Frauen hatten eine hohe ökonomische Bedeutung, sie erwarben durch Tauschgeschäfte Geld und Land für ihre matrilineare Verwandtschaftsgruppe.

Die Geschichte der Kolonisierung und Modernisierung Palaus durch unterschiedlich patriarchal geprägte Weltmächte wie Deutschland, Japan und die USA macht den sozialen Wandel und die strukturelle Veränderung des Geschlechterverhältnisses deutlich. Die ökonomische und vor allem die politische Position von Männern wurde gestärkt und die Balance im Geschlechterverhältnis ins Wanken gebracht. Palauanische Frauen sind aber auch Mitwirkende in sozialen Veränderungsprozessen, sie greifen Möglichkeiten der modernen Gesellschaft, wie eine individuelle Selbstbestimmung, gerne auf.

Der Artikel beschreibt anhand der Auswertung von Interviews und Beobachtungen in Palau immer noch existierende strukturelle Voraussetzungen, die es palauanischen Frauen ermöglichen, Machtfelder auch in Modernisierungsprozessen behaupten oder sogar ausweiten zu können. Auseinandersetzungen um die Umformung überlieferter Elemente im Bereich der symbolischen Kultur deuten allerdings auf das Bedürfnis hin, im Prozess der Modernisierung durch Aktivität und Deutung von kulturellen Zeremonien die eigene Identität zu erhalten und zu erneuern. Sichtbar wird diese Auseinandersetzung zwischen Frauen verschiedener Generationen in Konflikten um die Ausrichtung der Erst-Geburts-Zeremonie, in denen der weibliche Körper einerseits zu einem Symbol der Rekonstruktion von „Tradition“ und andererseits zu einem Symbol der Interpretation von Modernisierung wird.

Christine Binder-Fritz
Dieser Artikel behandelt kritische Aspekte in Bezug auf Gender, Ethnizität und sozialen Status in der gegenwärtigen Gesellschaft Neuseelands. Er basiert auf den Ergebnissen verschiedener Studien zur Gesundheit von Maori Frauen in Bezug auf ihre Reproduktionsfähigkeit, die von der Autorin in den Jahren 1989 bis 2001 durchgeführt wurden. Dabei soll vor allem gezeigt werden, wie der Prozess des Älterwerdens kulturell konstruiert wird und welche Bandbreite an sozialen und politischen Aktivitäten Frauen nach der Menopause entwickeln. Die vierte Lebensdekade stellt für die meisten Maori Frauen in Verbindung mit der Menopause einen Wendepunkt dar. Wenn Maori Frauen in die mittleren Jahre kommen, erfahren sie im Allgemeinen eine positive Veränderung ihrer Rolle, ihrer Macht und ihres Status in der Maori-Gesellschaft. Diese Frauen sind in den meisten Fällen Pionierinnen im sozialen Bereich und bauen Netzwerke für Kommunalleistungen in ihren Gruppen auf. Sie sind mit ihrem Wissen und ihrer Lebenserfahrung nicht nur Ritual-Spezialisten, sondern bringen auch Innovationen in der Erziehung, im Gesundheitswesen und in den Sozialdiensten ein. Manche von ihnen sind außerdem noch in Bezug auf Landrechtsfragen und Umweltschutz politisch aktiv. Obwohl sich Maori Frauen also den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen, finden sie sich auch oft „eingeklemmt“ zwischen ihrer traditionellen und ihrer modernen Rolle.

Helene Connor 
Dieser Artikel diskutiert, in wie weit Land und kultureller Raum für Gender- und Machtverhältnisse innerhalb der Maori Gesellschaft relevant wird. „Kulturellen Raum“ stellen sich die Maori als „zu Hause“ vor und „zu Hause“ steht in diesem Fall für Papatuanuku, Mutter Erde. Das Land, personifiziert als Papatuanuku, ist sowohl geografischer sowie emotionaler Raum und die Bildung von Identität ist in diesem „zu Hause“ der traditionellen Landschaft verwurzelt. Das Land wurde von den Ahnen erschaffen und repräsentiert nicht nur die verwandtschaftlichen Verbindungen zu den Ahnen, sondern auch die Kultur der Maori schlechthin.

Traditionell, ist das Konzept von mana und tapu mit dem Land, mit Papatuanuku, verknüpft. In der hierarchischen Gesellschaft der Maori wurde der Status von Männern und Frauen von der Abstammung bestimmt. Frauen konnten Männer hierarchisch überragen, wenn sie einer Häuptlingslinie entstammten. Mit der Kolonisation wurden die Geschlechterverhältnisse geändert. Maori mana verlor an Bedeutung im gleichen Ausmaß wie die Maori ihr Land. Dadurch büßten viele Maori Frauen den Status, der ihnen in der vorkolonialen Zeit zustünde, ein. Eine Form des Widerstandes, die hier behandelt wird, ist die Selbstdarstellung in der Form des Auto/Biografischen Schreibens. Das Schreiben von Auto/Biografien mag als nur geringe, marginale Aktivität in Relation zu den breiteren politischen Themen, denen sich Maori stellen müssen, gesehen werden. Trotzdem ist die politische Strategie der Selbstdarstellung ein effektiver Weg, Dimensionen von Macht und Klasse, die während des Kolonialismus vereinfacht wurden, zurückzufordern.

Gabriele Habinger 
Ein wichtiges Anliegen der Autorin ist es, die Bedeutung von Gender-Aspekten in der Analyse von Reiseliteratur, mit besonderem Augenmerk auf Reiseberichten über die Südsee aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, herauszuarbeiten. Die Fachliteratur erwähnt häufig, wie Entdeckungsfahrten und Reisen für den „Westen“ immer in besonderem Maße mit sexuellen Fantasien verknüpft waren und dass die Südsee (oder speziell Tahiti) nicht nur als ein exotisches, sondern vor allem auch als ein sexuelles Paradies vorgestellt wurde. Am Beispiel der beiden reisenden Österreicherinnen Ida Pfeiffer und Alma Karlin wird gezeigt, dass diese Aussagen Verallgemeinerungen männlichen Reisens darstellen, die einen geschlechtsspezifischen Aspekt in der Analyse von Reiseliteratur und Fremdwahrnehmung europäischer AutorInnen nicht einbeziehen. Die Aufzeichnungen von Pfeiffer und Karlin zeigen hier zahlreiche Übereinstimmungen. Beide nehmen einen spezifisch weiblichen Standpunkt in der Repräsentation der „fremden“ Frauen und ihrer Sexualität ein, der auffällig von jenem männlicher Berichterstatter abweicht. Diese Differenz in der Wahrnehmung wird explizit von den Autorinnen angesprochen. Die reisenden Frauen präsentierten uns zwar ebenfalls ein Bild exotischer Idylle mit all den charakteristischen Versatzstücken, aber ihre Idylle ist eine „entsexualisierte“ oder eine, in der die offene und freie Sexualität auf spezifische Art und Weise beurteilt, nämlich abgelehnt und verurteilt wird. So sind auch in den Texten der reisenden Europäerinnen bezüglich der Südsee geschlechtsspezifische Aspekte in der Repräsentation des (weiblichen) Anderen festzustellen.

Letztlich bleibt festzuhalten, dass sich die europäischen Reiseschriftstellerinnen auch in Bezug auf die Behandlung der Sexualität innerhalb der westlichen diskursiven Formation bewegen – insofern sie sich auf die von Männern geschaffenen Wunschvorstellungen und Projektionen beziehen, indem sie diese negativ beurteilen, ablehnen bzw. als irrelevant von sich weisen. Denn die Abhandlungen über Sittlichkeit oder Unsittlichkeit, freie oder zügellose Sexualität – je nach verfügbarer Gender-Position in der westlichen „Ordnung des Diskurses“ – stellen letztlich nur zwei entgegengesetzte Pole innerhalb der westlichen Sprechweise über die Anderen dar. Die Fantasie der exotischen Idylle als Ort freier, im Fall der Autorinnen „ungezügelter“, also abzulehnender, Sexualität, wird in gewisser Weise als Repräsentation aufrecht erhalten. Die Texte europäischer Reiseschriftstellerinnen stellen somit einen wesentlichen Bestandteil des westlichen Repräsentationssystems des Anderen und der Wirksamkeit des „Wahrheitsregimes“ dar (Foucault). Sowohl Ida Pfeiffer als auch Alma Karlin waren davon überzeugt, dass es nur einen Weg zur Zivilisation und zu gesellschaftlichem Fortschritt geben könne, und verteidigten nicht zuletzt deshalb Kolonialismus und Missionierung. Beide waren sich ihrer Position als Angehörige der dominierenden „weißen“ Gesellschaft nicht nur bewusst, sie wollten auch in den Genuss ihrer „genderless white power“ kommen, wenn sie außereuropäische Regionen besuchten.

In die Analyse von Reisetexten von Europäerinnen sind einerseits diese unterschiedlichen Hierarchien und Differenzen, Machtverhältnisse und diskursive Systeme, die einander beeinflussen und durchkreuzen, einzubeziehen. Andererseits müssen die unterschiedlichen Aspekte von Gender – und das bedeutet auch die Gender-spezifischen Repräsentationen in den Texten – berücksichtigt werden, um zu fundierten und allgemein gültigen Aussagen in der Analyse von Reisetexten im Allgemeinen, des kolonialen/rassistischen Diskurses und der westlichen Fremdwahrnehmung zu gelangen, wobei die Rolle der weißen/westlichen Frauen als „unterlegenes Geschlecht der überlegenen Rasse“ ebenso zu berücksichtigen ist wie ihre Rolle im kolonialen Setting und im kolonialen Diskurs.