Zum Inhalt springen

Postkoloniale Potenziale. Oder: Was man über den Pazifischen Raum im österreichischen Geschichtsunterricht (noch nicht) lernen kann.

Montag, 17. April 2023, 18.30h

Vortrag von Prof. Georg Marschnig, Universität Graz,


HS A, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, NIG, Universitätsstraße 7, 1010 Wien

Die tiefgreifenden Curricula-Reformen der 2010er-Jahre wurden von österreichischen Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrern kritisch verfolgt und zumeist vorschnell mit einem vermeintlichen „Verschwinden der Inhalte“ übertitelt. Diese Kritik übersah freilich die prinzipielle thematische Offenheit der neuen Lehrpläne, die es den Lehrerinnen und Lehrern in der unterrichtspragmatischen Planungsarbeit möglich macht, „viele Geschichten von Mobilität, Vernetzung und Diversität ohne Zentrum oder Zentralperspektive“ (Barricelli 2013, 111), auch aus einer zeitgemäßen, postkolonialen Perspektive, zu erzählen.

Wie sie dabei beispielsweise bezüglich der Geschichte(n) Ozeaniens durch die verfügbaren Schulbücher unterstützt werden, soll im zweiten Schritt der Analyse gezeigt werden, nachdem die aktuellen österreichischen Lehrpläne nach postkolonialen Potenzialen untersucht wurden. Da aber Schulbücher, als „‚passive Quellen‘ des Geschichtsunterrichts“ (Kühberger 2015, 58), nur eine bestimmte Perspektive auf die Unterrichtsrealität eröffnen, werden schließlich auch die Ansichten von österreichischen Geschichtslehrpersonen zum thematischen Rahmen „Geschichte Ozeaniens“ in die Analyse integriert. Diese wurden mittels einer „Expertenbefragung“ im Rahmen einer Fortbildungsmaßnahme erhoben und sollen weitere Aufschlüsse bezüglich globalgeschichtlicher Potenziale des österreichischen Geschichtsunterrichts geben.

Somit wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven (Curricula, Schulbücher, Lehrpersonen) auf das Thema geblickt, wodurch sich ein möglichst vielschichtiges Panorama über die Verankerung der Geschichte Ozeaniens im österreichischen Geschichtsunterricht ergeben wird. Dieses soll abschließend hinsichtlich seiner Anschlussfähigkeit an internationale Diskurse befragt und in aktuellen Entwicklungen verortet werden.

Georg Marschnig ist Universitätsprofessor für Geschichtsdidaktik und Politische Bildung an der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Orte, Praxen und Medien der Geschichtskultur sowie die Theorie und Praxis des historischen Lernens.