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Zwischen Tand und Schulgeld. Familiäre und kommunale Verpflichtungen aus Sicht von Diaspora-Fidschianer*innen

Donnerstag. 3. April, 18.30

Hörsaal A, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, NIG, Universitätsstraße 7, 1010 Wien

Vortrag von Dominik Schieder, Universität Siegen 

Dieser Vortrag widmet sich den Strategien, die fidschianische Migrant*innen nutzen, um mit Erwartungen umzugehen, die von Seiten von Verwandten und lokalen communities in Fidschi an sie herangetragen werden. Auf der Grundlage ethnographischer Vignetten legt der Beitrag dar, wie Fidschianer*innen in Japan und dem Vereinigten Königreich kommunale Verpflichtungen einschränken oder teilweise umgehen.
Diesbezüglich nutze ich meine Forschungen in Tokio, London und anderen Teilen Japans und Englands und thematisiere die mitunter erhebliche Kritik, die meine Forschungspartner*innen am „traditionellen“ fidschianischen Kommunalismus und damit einhergehenden Seins- und Zugehörigkeitsweisen äußerten.
Dies war insbesondere dann der Fall, wenn sie mit überzogenen Erwartungen von Personen konfrontiert waren, die sich der Lebensbedingungen der Migrant*innen nicht bewusst waren. Als Reaktion darauf beschränkten viele Fidschianer*innen in Japan und England Geldüberweisungen und Warensendungen (remittances) auf bestimmte Familienmitglieder oder berichteten von der Wahrung einer räumlichen Distanz oder unangekündigten Besuchen während ihrer Reisen nach Fidschi.
Mit Blick auf das vorgestellte Beispiel setzt sich der Vortrag kritisch mit der in der Migrationsforschung zum insularen Ozeanien weitverbreiteten These auseinander, dass remittances einen integralen Bestandteil des Lebens transnationaler Pazifik-Insulaner*innen darstellen. Er ist somit mit dem Ziel verbunden, auf eine ausgewogenere Betrachtungsweise hinzuarbeiten.

Dominik Schieder (Dr. phil., Universität Bayreuth) ist Sozialanthropologe und hat sich auf Fidschi und dessen Diaspora spezialisiert. Seine gegenwärtigen Schwerpunkte sind Migration & Mobilität, soziale Institutionen, Politik und Sport. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und wissenschaftlicher Koordinator der DFG-Forschergruppe 5183 „Grenzüberschreitende Mobilität und Institutionendynamiken“ an der Universität Siegen. Er war Co-Sprecher der Regionalgruppe Ozeanien der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie und ist derzeit Board Member der European Society for Oceanists.Wir freuen uns, mit diesen zwei außerordentlich spannenden Vorträgen das Sommersemester einläuten zu dürfen und sind schon gespannt auf einen anregenden Ausstausch und Debatten mit unseren Vortragenden und unseren Mitgliedern sowie Interessent:innen!