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    200. Geburtstag von Sir Julius von Haast – dem Erforscher Neuseelands

    Rückschau von Hermann Mückler

    Der am 1. Mai 1822 in Bonn geborene Julius Haast entstammte einem wohlhabenden Elternhaus und interessierte sich schon früh für Geologe und Mineralien und besuchte nach der Gymnasialzeit u.a. Vorlesungen zu Bergbau, schloss jedoch ein einschlägiges Studium nie ab. Nach Aufenthalten in Belgien, Holland, Frankreich, Schweiz, Italien, England und Russland, einer längeren Verweildauer in Frankfurt am Main, wo er seine Frau kennenlernte und heiratete, sowie verschiedenen beruflichen Tätigkeiten, wurde Haast 1858 von der britischen Reederei Willis Gann & Co mit dem Auftrag eingestellt, nach Neuseeland zu reisen und einen Bericht über die Regelungen in der britischen Kolonie für deutsche Einwanderer zu erstellen. Dort traf Haast Ende 1858 auf Ferdinand von Hochstetter (1829-1884), der im Zuge der österreichischen Novara-Expedition nach Neuseeland gekommen und die Weltumseglungs-Crew verlassen hatte, um im Auftrag der neuseeländischen Regierung in vor Ort geologische Untersuchungen durchzuführen. In der Folge begleitete Haast Hochstetter auf dessen geologischen Expeditionen zum Drury-Kohlenfeld, zum Auckland Volcanic Field, zu den Goldfeldern der Coromandel Peninsula, den Kupferfeldern der Great Barrier Island und Kawau sowie zum Gebiet um Nelson herum. Bei diesen Gelegenheiten konnte Haast von Hochstetter lernen und durch selbständige Beobachtungen seine eigenen Erfahrungen machen.

                Diese Zusammenarbeit währte bis zu Hochstetters Abreise im Oktober 1859. Obwohl Haast keine akademische Geologenausbildung besaß, beauftragten ihn im selben Jahr die Provinzregierung von Nelson und im Februar 1861 die Provinzregierung von Canterbury mit weitergehenden geologischen Untersuchungen, insbesondere auf der Südinsel. Mit seinen Forschungsergebnissen, geschult durch Hochstetter, machte sich Haast schnell einen Namen und wurde zum ersten anerkannten professionellen Wissenschaftler im Bereich der Geologie in Neuseeland. Ein weiterer Österreich-Bezug ist die Tatsache, dass Haasts glaziologische Forschungen in den Southern Alps vom österreichischen Naturforscher Robert von Lendenfeld (1858-1913) fortgesetzt wurden.

                Im Jahr 1861 siedelte Haast nach Christchurch und wurde noch im selben Jahr britischer Staatsbürger. 1862 wurde auf seine Initiative hin das Philosophical Institute of Canterbury gegründet, dessen erster Präsident er wurde. Im Januar 1863 führte Julius von Haast zusammen mit Charles Cameron eine Expedition an, um einen Landweg von der Ost- zur Westküste der Südinsel zu finden. Im selben Jahr gründete Haast das Canterbury Museum. Im Dezember 1867 wurde seine geologische und archäologische Sammlung zusammengefasst und im Gebäude der Provinzialregierung der Öffentlichkeit vorgestellt. 1868 wurde er zum Direktor des von ihm initiierten Canterbury Museum gewählt und 1870 konnte ein Neubau mit seiner Sammlung eröffnet werden. Weitere Eckdaten aus Haasts beruflicher Karriere sind: 1871 gründete Haast zusammen mit Bischof H.J.C. Harper die Canterbury Collegiate Union, welche die Gründung des Canterbury College in 1873 forcierte. Haast lehrte an dem College Geologie und Paläontologie und wurde 1876 zum Professor für Geologie ernannt. 1879 wurde er Mitglied des Senats der University of New Zealand. 1885 wurde er für seine Verdienste von der britischen Königin zum Knight Commander des Order of St. Michael and St. George (KCMG) ernannt. Julius von Haast, der zweimal verheiratet war und einen Sohn aus erster Ehe sowie vier Kinder aus zweiter Ehe hatte, verstarb unerwartet 65-jährig am 16. August 1887 an einer Herzerkrankung.

                            Anlässlich des 200. Geburtstags von Sir Julius von Haast fand von 30. April bis 1. Mai 2022 ein online-Symposium des Canterbury Museums, Neuseeland statt, organisiert von Dr. Sascha Nolden. Dabei sprachen ExpertInnen aus Neuseeland und Österreich über das Leben und Wirken von Haast sowie dessen Bedeutung insbesondere für die geologische Erforschung Neuseelands. Das Symposium gedachte damit der Leistungen des Geologen und vereinte mehrere interessante Vorträge.